Die Hofgemeinschaft heute
Wir,
Therese Stöckli (1962, Sozialpädagogin), Pierre Apothéloz
(1955, Sozialpädagoge), Rosmarie Gervasi (1962,
Handarbeitslehrerin) und Matthias Racine (1964, Landwirt und
Primarlehrer) führen die Hofgemeinschaft Flue in Grossaffoltern.
Gegenwärtig
leben fünf BewohnerInnen auf der Flue. Sie tragen Wesentliches
zu einer stimmungsvollen Gemeinschaft bei.
Die Grundlage des ganzen Betriebes ist die Landwirtschaft (7 ha Wies- und Ackerland, 0,5 ha Wald). Obwohl der biologisch geführte Betrieb klein ist, haben wir ihn möglichst vielseitig gestaltet: Wir halten Mutterkühe, Ziegen, Schafe, Hühner und Schweine. Zusätzlich betreiben wir Ackerbau und einen grossen Gemüse- und Kräutergarten. Das bedeutet Stallarbeiten, regelmässiges Füttern, Futterbau und den Umgang mit Werkzeug, Geräten und Maschinen.
Die Selbstversorgung ist uns ein Anliegen. So können wir die Jugendlichen mit allen Schritten der Produktion und der Verarbeitung pflanzlicher und tierischer Lebensmittel vertraut machen. Wir produzieren Gemüse, Obst, Fleisch und Teemischungen. Aus unserem eigenen Mehl backen wir das Brot. Im Winter holzen wir für unsere Heizung. Umbau, Renovationen und Unterhalt am Gebäude machen wir weit möglichst selber.
Ein wichtiger Bereich ist die Hauswirtschaft, mit Kochen, Putzen und Waschen. Auch ist uns der persönliche Raum ein Anliegen: das eigene Zimmer, Freizeitgestaltung und Hygiene.
Wir versuchen die Jugendlichen in alle Tätigkeiten einzubeziehen. Beim Holzen sammeln die Schwächeren Äste und die Starken finden bei der Verarbeitung der Kräuter die Möglichkeit, Feinmotorisches zu üben und die Sinne zu erleben. Diese Vielseitigkeit erlaubt allen BewohnerInnen Verantwortung in den täglichen Abläufen zu übernehmen und Einblicke in alle Bereiche des landwirtschaftlichen Lebens zu erhalten.
Die extensive Bewirtschaftung des Betriebes, ohne dauernden Arbeitsdruck, bietet uns Gelegenheiten, beispielsweise ein anstehendes Problem am Morgentisch auszudiskutieren.
Neben der praktischen Ausbildung legen wir Wert auf die persönliche Entwicklung. Nach Bedarf bieten Fachpersonen den Jugendlichen spezifische Therapien an und ergänzen uns MitarbeiterInnen in der Betreuungsarbeit.
An
einem Tag pro Woche ist Unterricht. Die einen besuchen die
landwirtschaftliche Berufsschule in Zollikofen bei Bern. Die anderen
haben intern „lebenspraktischen Unterricht“ (Sport, Kochen,
Hygiene, Umgang mit Geld, Reisen, Lesen und Schreiben).
Wir
organisieren in der Freizeit mit den BewohnerInnen individuelle
Kurse.
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Ein Tag auf der Flue
07.00 Heute Montag fängt die Stallwoche für Matthias und für N., unsere Anlehrtochter an. Tiere füttern, misten und putzen.
07.30 Ma. bereitet das Morgenessen vor. Theres hilft ihm dabei. R. feuert ein und füllt die Holzkiste nach.
08.00 Gemeinsames Morgenessen. Wir besprechen den Tagesablauf und verteilen die verschiedenen Arbeiten.
09.00 N. macht den Stall allein fertig (Streuen, Heu rüsten, Mist stocken usw.). R. geht die neuen Zaunpfähle schälen. M. wischt das Morgenessen ab und besorgt anschliessend die Hühner. Wir Betreuer/innen haben unsere wöchentliche Sitzung.
10.30 Pierre kocht zusammen mit M. das Mittagessen.
12.00 Mittagesssen und Kaffeepause. Anschliessend räumen die "TagesköcheInnen" die Küche auf.
14.00 R. muss zum Augenarzt, N. braucht neue Kleider. Theres fährt mit ihnen in die Stadt. Matthias und M. gehen hinter die Zaunpfähle. Pierre erledigt Büroarbeiten.
16.30 Z Vieri.
17.00 Matthias und N. gehen in den Stall.
18.00 Nachtessen. Danach muss N. den Kühen nochmals Heu geben, die anderen räumen die Küche auf und haben anschliessend Feierabend. Abends gehen die Jugendlichen gerne ihren individuellen Bedürfnissen nach.
22.30 Ruhe